Übers Fotografieren

Als ich klein war, gab es natürlich noch keine Digitalkameras, bei denen man missglückte Fotos wieder löschen kann. Jedes Bild auf dem Film war wertvoll, und deshalb musste man sich vorher überlegen, was man fotografieren möchte. Als damals bei einer Familienfeier ein Mädchen mit einer Kamera unter dem Tisch saß und im Begriff war, wild irgendwelche Fotos zu schießen, wollte ich ihr zeigen, dass das kein Spielzeug ist und dass die Kamera wirklich Bilder macht... indem ich den Deckel öffnete und ihr den Film zeigte. Zugegeben, war am Ende keine Glanzleistung. Aber immerhin war ich schon damals an Kameras interessiert.

Meine erste eigene Kamera bekam ich 2006, eine kleine silberne Digitalkamera von Tchibo. Das erste Foto war eins von der Tischdecke unseres Küchentischs, natürlich unscharf. Es folgten Aufnahmen von meinem Kaninchen, Blumen und ein Selfie. Man war ich cool. In den Jahren danach ging das so weiter, vorrangig auch mit diesen Motiven. 

Vor fast 5 Jahren beschloss ich dann, meine Ersparnisse in eine "richtige" Kamera zu stecken, was für mich damals nur eins bedeutete, und zwar eine Spiegelreflexkamera. Seitdem ist sie mein treuer Begleiter, hat mich noch nie im Stich gelassen, auch wenn ich sie von Zeit zu Zeit links liegen lasse (oder die Speicherkarte im Laptop vergesse). Sie hat mich durch eine Zeit begleitet, in der ich fest davon überzeugt war, die Fotografie zu meinem Beruf zu machen. Ich wollte, dass meine Bilder professionell aussehen, habe mit Photoshop experimentiert und mir eine Mappe angelegt. Irgendwie war ich doch nie wirklich zufrieden. Habe über die Jahre alle meine Haarfarben und Frisuren mit coolen Spiegelselfies festgehalten, jeden Blumenstrauß und viele schöne Fotoalbum-Momente. 

Das Fotografieren, sowohl vor, als auch hinter der Kamera zu stehen, ist meine Leidenschaft. Es macht mir Spaß. Und es ist mein Hobby, nicht mehr, und nicht weniger, das weiß ich heute. Deshalb bin ich damit zufrieden, dass meine Bilder nicht perfekt sind, dass ich nicht die teuerste und allerneuste Kamera habe und kein Profi-Equipment. Ich weiß, was ich kann und wo meine Grenzen sind. 

Und gerade deshalb kommt dieser Text ganz ohne Fotos aus!


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